| Erste Eindrücke von Anne Weigel |
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Meine ersten Eindrücke aus dem Kinderdorf Marijampoles
Am 1. September 2009 um genau 6.15 Uhr ging es endlich mit dem vollgepackten Auto, meinen ganzen Sachen, meinem Vater und meiner Oma und natuerlich mit mir los in Richtung Litauen. Die Fahrt war lang und sehr huckelig, aber wir haben Marijampolė gegen 23 Uhr erreicht (deutsche Zeit war erst 22 Uhr). Meine Oma und mein Vater waren noch 2 Tage in Marijampolė und sind dann wieder zurueck nach Hause gefahren.
Am 7. September war dann endlich mein erster Arbeitstag. Den Weg kannte ich ja schon in und auswendig durch einige Besuche im Kinderdorf. Der Direktor ist immer sehr beschaeftigt und war noch nicht da, also habe ich mich mit der Sozialpaedagogin Odeta unterhalten und wir haben uns gegenseitig etwas kennen gelernt.Mit ihr bin ich dann auch in die Stadt Marijampolė gefahren, da ich noch die „Valstybinio Socialinio Draudimo Pažymėjimas“, in Deutsch sozusagen die Sozialversicherung, brauche.Es war ein grosses durcheinander, denn die von SoDra(wo ich diese Sozialversicherung herbekomme) haben gesagt, dass ich erst eine Aufenthaltsgenehmigung brauche. Nun haben wir 10 Litas bei der Bank bezahlt, sind zum Kinderdorf gefahren und haben meinen Vertrag mitgenommen und sind dahin gefahren, wo ich meine Aufenthaltsgenehmigung herbekomme. Auf jeden Fall ist es in Litauen wohl so ueblich, wenn man Geld bezahlt, man eigentlich alles bekommt was man braucht ☺.
Jetzt gab es wieder ein Problem, denn meine Aufenthaltsgenehmigung kann ich erst am naechsten Tag,also am 8. September, abholen, aber das Kinderdorf braucht meine Sozialversicherung. Wir sind dann zu SoDra gegangen, haben alles erklaert (eher Odeta als ich) und die haben uns einen Stempel gegeben mit der Bitte, auf jeden Fall am naechsten Tag wiederzukommen mit den Aufenthaltsgenehmigungs-Dokumenten. Wir haben eigentlich fast den ganzen Tag in der Stadt bei den Behoerden verbracht. Aber nebenbei haben wir es noch geschafft ein paar Utensilien fuer meinen neuen Raum zu kaufen (wie Schere,Stifte,Hefter).
Die restliche Woche habe ich die meiste Zeit mit dem Lernen der Namen der Kinder verbracht. Dabei habe ich erkundschaftet, wer auf welche Schule/Kindergarten geht und wer bereits eine Ausbildung macht. Natuerlich wird es noch einige Zeit dauern, bis ich alle Namen kenne und zuordnen kann. Am Dienstag war ein „Meeting“ mit allen Muettern, den Sozialpaedagogen und dem Direktor. Dieses „Meeting“ ist jeden Dienstag um ca. 9 Uhr. Am Nachmittag war noch ein kleines „Meeting“ zwischen dem Direktor,seiner Assistentin Ona(in Deutsch Anne) und den Sozialpaedagogen (Odeta,Gintane und mir).
Meine Arbeitszeit beginnt immer um 8 Uhr und endet um 17 Uhr. Je nachdem was noch anliegt, kann sich das Arbeitsende auch hinauszoegern. Denn im Kinderdorf ist nichts wichtiger als das Wohlergehen der Kinder, was ich sehr bewundere. Am Mittwoch folgte wieder ein kleines „Meeting“ zwischen den Sozialpaedagogen,3 Muettern und dem Direktor, da es ein paar Probleme mit 2 Kindern gab/gibt.
Die Litauer arbeiten auf jeden Fall nicht so hektisch wie die Deutschen, was mir natuerlich gefaellt und woran man sich erst gewoehnen muss. Wenn es am Vormittag heisst „Lasst uns Kaffepause machen“ dann dauert diese etwas laenger als angenommen ☺. Jeden Tag gehe ich in Haus 4 um 13 Uhr, je nach dem ob man zu dem Zeitpunkt Zeit hat, Mittagessen. Es ist immer sehr lecker und besteht aus einer Suppe, jeden Tag eine andere und dann natuerlich das „richtige“ Essen (z.B. Cepelinai). In Haus 4 leben 7 Kinder, von 3-12 Jahren. Alle haben mich herzlichst aufgenommen.
(Ein paar Patenkinder und ich in der Wohnstube von Haus 4)
Am Samstag haben wir eine Reise mit einigen Kindern und Muettern nach Šiluva gemacht. Morgens um 8 Uhr ging es schon los, also wie jeden morgen hiess es um 6.30 Uhr aufstehen. Wir sind ungefaehr 3 Stunden, mit einer kleinen Pause zwischendurch, gefahren. Die Kinder waren alle sehr aufgeregt und haben die Landschaft bewundert. Ich habe neben Lukas gesessen, der in Haus 4 wohnt, und wir haben uns gut unterhalten. Es ist sehr gut, dass die Kinder mit mir Litauisch reden, dadurch komme ich wieder in die Sprachpraxis rein. Also im Laufe von 2 Wochen merke ich,dass ich die Litauer immer besser verstehe und mein litauisch von Zeit zu Zeit auch wieder besser wird. Nach 3 Jahren habe ich leider schon vieles vergessen. Aber ich denke nach 1-2 Monaten kann ich mich gut und vielleicht auch ohne Fehler mit jemandem unterhalten.
In Šiluva war ein Fest, es waren viele viele Menschen dort und viele Staende mit Wurst, Kaese, Suessigkeiten,Kreuzen,Bildern etc. Auf jeden Fall war es sehr interessant. Ich bin die ganze Zeit mit den Kinder,der Tante und der Mutter von Haus 4 unterwegs gewesen. Lukas und Karolina wollten gar nicht mehr von meiner Seite weichen, was mich sehr geschmeichelt und gefreut hat. Das ist ein Zeichen, dass die Kinder mich moegen und dass ist sehr schoen und wichtig.
Gegen 15 Uhr haben sich alle wieder am Bus versammelt und dann sind wir losgefahren. Keiner wusste zwar wo genau wir hinfahren, es hiess nur wir fahren in ein Museum. Dann nach ca. 1 1⁄2 Stunden Fahrt sind wir in einem sehr kleinen Dorf, irgendwo bei Kėdainiai (das ist hinter Kaunas in Richtung Klaipeda), angehalten. Dort stand eine sehr schoene und kleine Holzkirche. In diese sind wir hineingegangen und wurden im nahestehenden Museum umhergefuehrt, was sehr interessant war. Es war sozusagen ein „Kunigo-Muziejus“ (Priester-Museum).
Nachdem wir uns alles angeschaut haben, gab es noch eine groessere Essen-Pause. Dann ging es endlich nach Hause. Wir waren alle sehr geschafft und nachdem wir Avikilai „Vaikų tėviskes namai“ um ca. 20.30 Uhr erreicht haben, sind alle Kinder und Muetter in ihr Haus gegangen und ich bin ebenfalls zu meinem zu Hause in Marijampole gefahren. Es war zwar ein sehr langer Tag, aber sehr ereignisreich und schoen.
Einen typischen Tagesablauf moechte ich auch kurz schildern.
Um 8 Uhr beginnt meine Arbeitszeit. Ich bin aber meist schon zwischen 7.50 und 7.55 Uhr da. Dann geht es erstmal ins Buero und jeder macht die anstehenden Aufgaben. Zum Beispiel habe ich die ersten 2 Wochen viel Zeit damit verbracht, die Daten der Kinder aufzuschreiben (z.B. wie alt, auf welche Schule,in welchen Kindergarten gehen sie, in welchem Haus wohnen sie). Gegen 11 Uhr gehen wir gemeinsam nach oben(die Buchhalterin, die Sozialpaedagogen,die Administration und manchmal auch der Direktor) und trinken Kaffee,Tee und essen eine Kleinigkeit.
Gegen 13.00 Uhr gibt es Mittagessen. Jeder Mitarbeiter geht in ein anderes Haus zum Essen. Ich gehe regelmaessig in Haus Nummer 4. Dort sind meist schon 3 Kinder da mit denen ich dann gemeinsam esse und natuerlich auch die Mutter und die Tante des Hauses. Es ist oft sehr lustig, denn die Kinder haben viel zu erzaehlen.Es geht nur so „Tėta Tėta weisst du schon...“ . Die Kinder wollen immer gleich alles auf einmal erzaehlen und durcheinander.
Ich bleibe meist fuer ca. 30-45 Minuten dort und gehe dann wieder in mein Buero. Dort werden dann noch die Dinge erledigt, die anstehen.
Wenn Zeit bleibt, gehe ich am Nachmittag nochmal zu den Kindern in Haus 4. Wir kennen uns schon recht gut und ich spiele oder erzaehle mit ihnen. Um 17 Uhr ist dann normal Feierabend- es sei denn, es ist noch ein Meeting oder was mit den Kindern bzw. ueber die Kinder zu klaeren. Ich werde am Dienstag und Donnerstag immer von um 9 – 18 Uhr arbeiten, da ich beim Englischunterricht dabei sein moechte.
Der Tagesablauf wird sich sicher in ein paar Wochen oder Monaten veraendern , wenn ich mich dann eingewöhnt habe oder einfach mehr Arbeit ansteht. Denn zur Zeit muss ich mich erstmal in das ganze Arbeitsumfeld und –klima einfuehlen.
(Englischunterricht)
Zu Beginn der 2. Woche im Kinderdorf habe ich dann erfahren, was meine Aufgaben sein werden in Avikilai „Vaiko tėviškės namai“. Ich werde:
Ich freue mich sehr auf meine ganzen Aufgaben und bin sehr gespannt, wie sich alles entwickelt.
Herzliche Grüsse aus Marijampoles Ihre Anne Weigel
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