Vaiko Teviskes Namai

Die beiden Kinderdörfer „Vaiko Teviskes Namai“ sind eine Heimat für viele Kinder.

Anfang der 90er Jahre gründete der litauische Geistliche Monsignore Vytautas Kazlauskas (1919-2008) die beiden privaten, katholischen Kinderdörfer „Vaiko Teviskes Namai“ (deutsch „Heimat des Kindes“) in den Städten Marijampoles und Kaunas. Es war sein Anliegen, nach der kommunistischen Zeit in Litauen ein warmes, christlich geprägtes Zuhause für Waisenkinder zu schaffen, das dem Vorbild der SOS – Kinderdörfer mit einer Pflegemutter als fester Bezugsperson folgt.

Das Kinderdorf Marijampoles liegt etwas außerhalb der Stadt Marijampoles nahe der polnischen Grenze. Mit Stand Oktober 2015 leben rund 60 Kinder in dem Kinderdorf. In jedem Haus wohnen zur Zeit sechs bis acht Kinder mit einer Pflegemutter und einer „Tante“, von denen sie liebevoll betreut werden. Sozialpädagogen des Kinderdorfes kümmern sich ebenso um die persönliche Entwicklung der Kinder. Die Kinder gehen in die öffentlichen Schulen der Umgebung. Der Träger des Kinderdorfes ist das Bistum Marijampoles. Mit dem Bischof Rimantas Norvila verbindet uns eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Das Kinderdorf in Kaunas (eine Autostunde nördlich) besteht aus 2 neuen Einfamilien-Häusern, in denen insgesamt 14 Kinder wohnen. Es wird als „Niederlassung“ des grossen Kinderdorfes in Marijampoles geführt. Die beiden Häuser wurden mit Hilfe vieler großzügiger Spenden aus Deutschland gekauft und eingerichtet.

Förder-Schwerpunkt Kinderdörfer

Wir unterstützen rund 75 minderjährige Waisenkinder in den beiden Kinderdörfern.

Mit dem Schwerpunkt „Kinderdörfer“ unterstützen wir die rund 75 minderjährigen Kinder, die in den beiden Kinderdörfern in Marijampoles und Kaunas leben. Dies geschieht  durch persönliche Kinder-Patenschaften und durch Zuschüsse zum Dorfbudget. Damit können die Kinder an Nachmittagsaktivitäten oder außerschulischer Bildung teilnehmen, Ausflüge machen oder Sommercamps besuchen. Wir finanzieren auch medizinische Hilfsmittel wie Brillen oder Zahnersatz, die die Kassen nicht ersetzen und erfreuen die Kinder mit unserer jährlichen Weihnachtsaktion.

Monsignore Kazlauskas

Nachruf auf Monsignore Vytautas Kazlauskas (1919-2008) von Verena Nacke

Unser geliebter Monsignore Kazlauskas, Gründer der beiden Kinderdörfer „Vaiko Teviskes Namai“ in Marijampoles und Kaunas, ist im Alter von 89 Jahren am Freitag, den 26. September 2008, nach einem erfüllten und aktiven Leben in Kaunas verstorben.

Wir trauern um einen ganz besonderen Menschen, der seine Nächsten und vor allem die Kinder sehr geliebt und ihnen all die Nähe und Fürsorge gegeben hat, die sie so dringend brauchten. Bis zu seinem Tod hat er dafür gekämpft, dass viele der verlassenen Kinder in Litauen eine neue Heimat in seinen Kinderdörfern finden konnten. Er hat die christliche Botschaft der Nächstenliebe mit Freude und Aufrichtigkeit gelebt und dies haben alle Menschen, die ihn kennenlernen durften, an ihm sehr geliebt und geschätzt.

Anfang der 90er Jahre gründete Monsignore Kazlauskas die beiden privaten katholischen Kinderdörfer, nachdem er 40 Jahre im Exil im Vatikan gelebt und dort für den Nachrichtensender „RadioVatikan“ mit Nachrichten für Litauen tätig war. Er konnte erst 1989, mit 70 Jahren, in seine geliebte litauische Heimat zurückkehren. Mit Unterstützung ausländischer Spenden baute er in der Stadt Marijampoles nahe der polnischen Grenze ein Kinderdorf mit 11 soliden Wohnhäusern auf einem freien Feld, das früher seinen Eltern gehört hatte. Hier haben rund 100 Waisenkinder ein Zuhause gefunden. Im Kinderdorf Kaunas lebten bis zum Jahr 2008 30 Waisenkinder, heute sind es 18.

Wer Monsignore Kazlauskas kennenlernen durfte, war beeindruckt von seiner Vitalität, seinem starken Glauben und seinem grossen Herz. „Lasset die Kinder zu mir kommen“ – alle Kinder suchten seine Nähe und er nahm sich die Zeit, ihnen zuzuhören und an ihrer Entwicklung teilzuhaben. Zusammen mit seiner Nichte Birute und seiner Schwester nahm er selbst vier Waisenkinder in seiner Wohnung auf und sorgte für sie, bis sie flügge wurden.

Unvergessen ist Monsignores engagierte und herzliche Rede, die er als Ehrengast im Januar 2006 auf unserem zweiten Benefizfest in Frankfurt hielt. Und als die erste Patenreisegruppe im Juni 2007 in Kaunas ankam, begrüsste er uns im Kreise einiger Kinder mit einem Strauss Tulpen und freute sich sehr über unseren Besuch. Jede Begegnung mit Monsignore Kazlauskas in den letzten 10 Jahren war für mich – wie auch für viele andere – ein Geschenk und hat mich in meinem christlichen Glauben gestärkt. 10 Jahre haben wir intensiv zusammengearbeitet und konnten gemeinsam viel zum Wohle der Kinder bewirken.

2004 übernahm Bischof Rimantas Norvila die Verantwortung für das größere Kinderdorf in Marijampoles und 2009 auch für das Kinderdorf in Kaunas. Er und sein engagiertes Team mit Reverent Donatas und Direktor Sulinskas haben seither viel für die Geschicke beider Kinderdörfer getan, so dass wir positiv in die Zukunft schauen können.

Lieber Monsignore, in unseren Herzen werden Sie immer weiterleben und wir werden uns bemühen, Ihr Kinderdorf-Projekt in Litauen in Ihrem Sinne weiter zu unterstützen. Mit Ihnen haben wir einen wundervollen Menschen verloren. Möge Ihre Seele nun die ewige Ruhe bei Gott finden.