Litauer in Sibirien

Veranstaltungshinweis – Litauen im Literaturforum – 28. Oktober

Dalia Grinkeviciute – „Aber der Himmel – grandios“ – Lesungsperformance mit Vytene Muschik, Friederike Kenneweg und Christoph Zipfel

„Literatur im Porträt“ – Finissage der Fotoausstellung von Ramune Pigagaite

„Literatur im Porträt“ heißt eine Fotoserie der 1966 in Litauen geborenen Künstlerin Ramune Pigagaite. Seit Jahrzehnten schon fotografiert Pigagaite deutsche und internationale AutorInnen – von Shootingstars wie Annika Scheffel über Größen wie Peter Härtling bis hin zu Gästen aus dem Ausland, die sich für Stipendien in Deutschland aufhalten. Es sind jedoch keine simplen Autorenfotos, wie man sie auf dem Umschlag eines Romanes finden würde. Ob es die scheue Distanz einer Ursula Krechel ist, die sich halb hinter einer Tür verbirgt und dem Betrachter fast abwehrend eine Teetasse entgegenhält oder die Angriffslust der stets streitbaren Renate Chotjewitz dokumentiert wird – Ramune Pigagaite verfügt über die Fähigkeit, ihre Modelle so in Szene zu setzen, dass im fertigen Bild intime Persönlichkeitsfacetten aufblitzen.

Am selben Abend wird schließlich auch Dalia Grinkeviciute vorgestellt, eine Autorin, deren Texte zu den wichtigsten der litauischen Nationalliteratur gehören.

1940 besetzt die Rote Armee Litauen und setzt zum Kahlschlag an: Große Teile der wirtschaftlichen und kulturellen Eliten des Landes werden in Gulags deportiert, so auch die 1927 geborene Dalia Grinkeviciute und ihre Familie. Mehr als acht Jahre verbringt sie in einem Lager in Sibirien, bis ihr 1949 mit ihrer todkranken Mutter die Flucht gelingt und sie in Kaunas untertauchen kann. Ein Jahr langt schreibt sie auf, was sie erlebt hat – es entstehen Notate von unerhörter Direktheit über zerstörte Existenzen und die Entmenschlichungsmechanismen in den Arbeitslagern. Bevor sie 1950 verhaftet und deportiert wird, kann sie die Notizen in einem Garten vergraben. 1991 erst, einige Jahre nach Grinkeviciutes Tod, wird die Blattsammlung gefunden. Nach der Veröffentlichung 1997 avanciert das Buch zum wichtigsten Dokument der litauischen Geschichte und wird zur Pflichtlektüre.
2014 hat Vytene Muschik den Text für Matthes & Seitz unter dem Titel Aber der Himmel – grandios neu übersetzt und wird ihn an diesem Abend vorstellen. Begleitet wird sie dabei von der Soundkünstlerin Friederike Kenneweg und dem Cellisten Christoph Zipfel, mit denen sie gemeinsam eine Aufführungsperformance entwickelt hat.

Die Bücherlesung findet am 28. Oktober 2015, 20.00 Uhr, im Literaturforum des Künstlerhauses Mousonturm , Frankfurt, Waldschmidtstr. 4 stat.. Veranstalter sind der Hessische Literaturrat mit Staatdsminister a.D. Hartmut Holzapfel und die Honorarkonsulin der Republik Litauen in Hessen Eva Dude

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